TuS vor dem Aus! Kommt FC Lingen?


16. November 2016
Von: Redaktion KEI

Der traditionsreiche, 106 Jahre alte TuS Lingen steht offenbar vor dem Aus. Der älteste Ballsportverein des Emslandes befindet sich seit Ende vergangener Saison in einer tiefen Krise, als die Verantwortlichen nach dem unverhofften Absprung von zwei Großsponsoren das Handtuch warfen. Die erste Mannschaft stürzte von der Oberliga in die 2. Kreisklasse. Seither läuft ein Insolvenzverfahren, das der TuS selbst beantragt hat, um zu überleben. Die Verbindlichkeiten zu bedienen, um so die Insolvenz wieder aufzuheben und den TuS zu erhalten, war das Ziel des neuen Vorstandsteams um den im Juli gewählten jungen Vorsitzenden Marcel Eilermann.

Dass es jetzt offenbar nicht zur geplanten Sanierung kommt, liegt an behördlichen Forderungen. So hat die Stadt Lingen Ende Oktober rund 50.000,- Euro als Insolvenzforderung gegen den TuS angemeldet. Dabei hatte noch Anfang September –so TuS-Kreise gegenüber KEI- ein hochrangiger Vertreter der Stadt bei einem Gespräch bestätigt, mit Ausnahme von etwa 5.000,- Euro an Energiekosten habe die Stadt keine Forderungen. „Für uns ist das Vorgehen ein Rätsel“, heißt es aus Kreisen des ehrenamtlich tätigen Vorstandes. Die Forderungsanmeldung sei in keinem städtischen Ausschuss angesprochen worden.

Auch das Hauptzollamt und das Finanzamt verlangen Geld in sechsstelliger Höhe. Vorgeworfen wird dem Verein, Aufwandspauschalen an Kilometergeld falsch abgerechnet zu haben. Dazu sagte der KEI-Gesprächspartner, man habe erhebliche Zweifel an den Behauptungen der Behörden. Diese verweigerten Einsicht in die Akten und hätten zuletzt in der vergangenen Woche dem Rechtsanwalt des TuS die Teilnahme an einer Besprechung im Büro des Insolvenzverwalters verweigert. Man werde mit einer sechsstelligen Forderung konfrontiert, deren Berechtigung zumindest nicht belegt sei. Insbesondere das Hauptzollamt fordere Geld aufgrund nicht nachprüfbarer Behauptungen und kündige langwierige Ermittlungen an, wenn der TuS nicht zahle. 

„Wir können aber unseren Verein nicht so lange unter den ausgesprochen sport- und ehrenamtsfeindlichen Bedingungen des Insolvenzverfahrens führen. Wir können und wollen auch keinen sechsstelligen Betrag zahlen“, sagte ein Vereinsvertreter zu KEI. Ohne die neuen Forderungen wäre voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres eine Lösung gefunden und das Insolvenzverfahren beendet worden. Geld habe zur Verfügung gestanden, um den Gläubigern eine ordentliche Quote von bis zu 40% anzubieten. „Wir waren auf einem richtig guten Weg.“

Der scheint jetzt zu Ende. Wie KEI erfuhr, wird inzwischen hinter den Kulissen fieberhaft an der Gründung eines neuen Vereins (Arbeitstitel: FC Lingen) gearbeitet. „Wir wollen, dass unsere Kids weiter Fußball spielen können!“, hieß es am Mittwoch und weiter: „Der neue Fußballclub soll ein attraktiver Stadtverein sein!“. Dieser neue Verein möchte auch künftig das Emslandstadion als Spielstätte nutzen.

„Es ist unser Ziel, die Kräfte im Bereich des Spitzenfußballs zu bündeln. Insofern möchten wir in den nächsten Wochen alle Vereine zu einem ´Runden Tisch` einladen und gemeinsam ergründen, in welcher Form ein ´FC Lingen` realisierbar sein kann“, so Lingen Oberbürgermeister Dieter Krone in einer Pressemitteilung.

Die Verantwortlichen haben heute Abend die Eltern der spielenden Jugendmannschaften und die Spieler der Ersten Herren informiert. Für Donnerstagabend ist zu einer Pressekonferenz eingeladen.